Wallbox mit PV-Überschussladen: Was sie können muss und was Sie dazu brauchen
Kurz gesagt: Beim PV-Überschussladen lädt die Wallbox das Auto nur mit dem Solarstrom, den das Haus gerade nicht braucht. Dafür misst ein Zähler am Netzanschluss den Überschuss, und Wallbox und Wechselrichter müssen zusammenarbeiten. Die meisten Autos laden ab 6 Ampere, das sind einphasig rund 1,4 kW und dreiphasig rund 4,1 kW. Eine automatische Phasenumschaltung lässt die Wallbox schon ab 1,4 kW Überschuss laden. Gegenüber ungesteuertem Laden lässt sich der Solaranteil an der Ladung durch Überschussladen laut HTW Berlin rechnerisch im Mittel um 25 Prozentpunkte steigern.
Stand: 03.10.2026
Eine Photovoltaikanlage liefert mittags oft mehr Strom, als das Haus gerade braucht. Ohne Speicher fließt dieser Überschuss ins Netz. Steht ein Elektroauto in der Garage, kann es ihn aufnehmen. Eine Wallbox mit PV-Überschussladen regelt die Ladeleistung so, dass das Auto möglichst nur mit diesem Überschuss lädt. Was dafür zusammenpassen muss, steht auf dieser Seite.
Wie PV-Überschussladen funktioniert
Die Wallbox muss wissen, wie viel Solarstrom gerade übrig ist. Dafür misst ein zusätzlicher Stromzähler am Netzanschluss, ob Strom ins Netz fließt oder aus dem Netz kommt. Laut HTW Berlin ermitteln die Wallboxen darüber innerhalb von Millisekunden die solare Überschussleistung (Wallbox-Inspektion 2025). Je nach System liest die Wallbox den Zähler selbst aus oder bekommt den Wert vom Wechselrichter.
Steigt der Überschuss, erhöht die Wallbox den Ladestrom; schaltet im Haus jemand den Herd ein oder zieht eine Wolke auf, regelt sie zurück. Der ADAC empfiehlt, die Bauteile möglichst von demselben Hersteller zu beziehen, damit sie miteinander sprechen.
Ab wie viel Überschuss geladen wird
Ein Elektroauto lädt nicht mit beliebig kleiner Leistung. Nach der Norm IEC 61851-1 meldet die Wallbox dem Auto einen Ladestrom von mindestens 6 Ampere. Daraus ergibt sich laut HTW Berlin:
| Anschluss | Mindestleistung bei 6 A |
|---|---|
| einphasig | rund 1,4 kW |
| dreiphasig | rund 4,1 bis 4,2 kW |
Einige Fahrzeuge beginnen laut ADAC erst ab 8 Ampere zu laden. Liegt der Überschuss unter der Mindestleistung, lädt die Wallbox gar nicht oder ergänzt aus dem Netz oder einem Speicher. Wie sich die Wallbox dann verhält, hängt vom System ab und steht in der Anleitung des Herstellers.
Warum die Phasenumschaltung zählt
Eine dreiphasige Wallbox, die immer dreiphasig lädt, startet erst ab rund 4,1 kW Überschuss. An vielen Tagen, im Frühjahr, im Herbst und bei kleineren Anlagen, kommt so viel nicht zusammen. Eine automatische Phasenumschaltung lädt bei wenig Überschuss einphasig ab 1,4 kW und schaltet auf drei Phasen um, wenn genug Strom da ist.
- Der ADAC empfiehlt eine automatische Phasenumschaltung für effizientes PV-Überschussladen dringend. Ohne sie startet und stoppt die Ladung an wechselhaften Tagen ständig, was manche Fahrzeuge als Störung werten und abbrechen.
- In der Wallbox-Inspektion 2025 von HTW Berlin, Fraunhofer ISE und ADAC würden die getesteten Wallboxen mit Phasenumschaltung bei reinem Dreiphasenbetrieb rechnerisch einen um etwa 10 Prozentpunkte geringeren Wallbox-Performance-Index erreichen, ein Maß für die Kostenersparnis.
- Einschränkung aus derselben Studie: Die Ladegeräte im Auto arbeiten einphasig meist mit geringerem Wirkungsgrad als dreiphasig.
Eine einphasige Wallbox braucht keine Umschaltung, sie lädt ohnehin ab 1,4 kW, aber höchstens mit 7,4 kW.
Was es bringt
Die HTW Berlin hat Messdaten von 730 Haushalten ausgewertet (Studie „Solares Laden von Elektrofahrzeugen“, April 2025). Der Solaranteil an der Fahrzeugladung lag im Mittel bei 53 %. Gegenüber ungesteuertem Laden mit voller Leistung bei Ankunft lässt sich der Solaranteil durch dynamisches Überschussladen rechnerisch im Mittel um 25 Prozentpunkte steigern; je nach Haushalt fällt das sehr unterschiedlich aus. Wie viel das für Sie ausmacht, hängt davon ab, wann das Auto zu Hause steht: Wer tagsüber pendelt, lädt mittags selten.
Die Wallboxen im Sortiment
Alle Angaben laut Datenblatt und Anleitung des Herstellers:
| Wallbox | Anschluss, Leistung | Überschussladen | Voraussetzung | Phasenumschaltung |
|---|---|---|---|---|
| Fronius Wattpilot Home 22 J 2.0 | 1- oder 3-phasig, bis 22 kW | ja, ab 1,38 kW | kompatibler Fronius-Wechselrichter im selben Netzwerk und Fronius Smart Meter; bei Wechselrichtern anderer Hersteller ein Fronius Smart Meter IP am Einspeisepunkt und kein weiterer Eigenverbrauchsregler, etwa eine Batterie | automatisch |
| SAJ AC011K-AE-35 | 3-phasig, 11 kW | ja | SAJ eManager und ein SAJ-Speichersystem (H2+B2, HS2, AS2 oder HS3) | automatisch |
| Solplanet SOL 7.4H, 11H, 22H | 1-phasig 7,4 kW, 3-phasig 11 oder 22 kW | Solarladefunktion optional | Energiezähler | nicht angegeben |
| Huawei AP07N-EU | 1-phasig, 7,4 kW | ja | kompatibler Huawei-Wechselrichter mit SmartDongle und Smart Power Sensor | entfällt (einphasig) |
| Sungrow AC007E-01 | 1-phasig, 7,4 kW | laut Datenblatt im Verbund mit Sungrow | laut Datenblatt für einphasige Sungrow-Hybridwechselrichter der Reihe SHRS vorgesehen; Kompatibilität beim Hersteller bestätigen lassen | entfällt (einphasig) |
Alle Geräte stehen unter Wallboxen. Stand der Angaben: Oktober 2026. Der Fronius Wattpilot und die Huawei AP07N-EU haben eine Typ-2-Steckdose statt eines festen Kabels; dazu braucht es ein Typ-2-Ladekabel, von Fronius etwa mit 5 oder 7,5 m.
Worauf Sie achten
- Zum Wechselrichter passend: Prüfen Sie, ob Wallbox und Wechselrichter laut Hersteller zusammenarbeiten. Die Tabelle oben nennt die Voraussetzungen; welcher Wechselrichter zu Ihrer Anlage passt, steht unter Hybrid-, String- oder Mikrowechselrichter: Welcher passt?.
- Zähler am Netzanschluss: Ohne Messung am Netzanschluss kein Überschussladen; wie der Zähler dort arbeitet, steht unter Nulleinspeisung und Einspeisebegrenzung. Zähler stehen unter Smart Meter für PV: Energiezähler für Wechselrichter, Messsensoren auch im Wechselrichter-Zubehör; welcher zu Ihrem System passt, nennt der Hersteller.
- Phasenumschaltung bei dreiphasigen Wallboxen: Sie entscheidet, ob schon ab 1,4 kW oder erst ab rund 4,1 kW geladen wird.
- Speicher und Auto: Bei Systemen mit Batteriespeicher legen Sie fest, ob zuerst der Speicher oder das Auto geladen wird. Wie groß ein Speicher sein sollte, steht unter Stromspeicher: Wie groß sollte er sein, und was kostet er?.
- Anschluss und Anmeldung: Den festen Anschluss an die Hausinstallation übernimmt ein Elektrofachbetrieb. Ob und wie Sie die Wallbox anmelden müssen, erfahren Sie bei Ihrem Netzbetreiber.