Wärmepumpe im Altbau: Größe, Vorlauftemperatur und Heizkörper
Kurz gesagt: Eine Wärmepumpe passt in viele ältere Häuser, auch mit Heizkörpern. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur. Als Faustregel nennt die Verbraucherzentrale ein Haus geeignet, wenn die Heizung möglichst ganzjährig mit weniger als 55 °C auskommt. Ob das bei Ihnen klappt, zeigt ein einfacher Test an einem kalten Tag. Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper zu tauschen. Die Größe der Wärmepumpe ergibt sich aus der Heizlast, die eine Fachkraft berechnet.
Stand: 03.10.2026
Ob sich ein älteres Haus für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe eignet, hängt weniger am Baujahr als an einer Zahl: der Vorlauftemperatur, also wie warm das Heizungswasser sein muss, damit alle Räume warm werden. Je niedriger sie ist, desto weniger Strom braucht die Wärmepumpe. Wie Sie das für Ihr Haus herausfinden und was es bei Heizkörpern und Größe zu beachten gibt, steht auf dieser Seite.
Warum die Vorlauftemperatur entscheidet
Eine Wärmepumpe hebt Wärme aus der Außenluft auf die Temperatur des Heizungswassers. Je höher sie heben muss, desto mehr Strom braucht sie dafür.
- Faustregel: Laut Verbraucherzentrale ist ein Gebäude für eine Wärmepumpe geeignet, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C liegt (Stand März 2026). Auch die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt höchstens 55 °C.
- Jedes Grad zählt: Laut dena senkt jedes Grad weniger Vorlauftemperatur den Stromverbrauch der Wärmepumpe um 1,5 bis 2 % (Stand Mai 2026).
- Ein Beispiel aus dem Produktdatenblatt: Für die TCL Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 10 kW im Sortiment nennt das Produktdatenblatt nach der EU-Verordnung 811/2013 eine Raumheizungs-Energieeffizienz von 199 % bei 35 °C und 138 % bei 55 °C. Für dieselbe Wärme braucht das Gerät bei 55 °C also rund 44 % mehr Strom als bei 35 °C.
Viele Wärmepumpen schaffen auch höhere Vorlauftemperaturen, die Geräte im Sortiment laut Produktdaten bis 65 oder 80 °C. Möglich heißt aber nicht sparsam: Für einen effizienten Betrieb zählt, wie niedrig die Temperatur sein kann, nicht wie hoch sie sein darf.
Der Test an einem kalten Tag
Ob Ihre vorhandenen Heizkörper mit niedrigerer Temperatur auskommen, können Sie mit der jetzigen Heizung ausprobieren. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale beschreibt den Test so:
- An einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung auf 55 °C begrenzen. Wie das an Ihrem Kessel geht, steht in seiner Anleitung, oder Sie fragen Ihren Heizungsbetrieb.
- Alle Thermostate an den Heizkörpern auf Stufe 3 stellen.
- Beobachten, ob alle Räume warm werden.
So deuten Sie das Ergebnis laut Verbraucherzentrale:
- Alle Räume werden warm: Eine Wärmepumpe ist möglich.
- Einzelne Räume bleiben kalt: Vermutlich reicht es, dort die Heizkörper durch größere zu ersetzen.
- Alle Räume bleiben zu kühl: Ohne zusätzliche Dämmung wird ein wirtschaftlicher Betrieb wahrscheinlich nicht gelingen.
Genauer geht es mit dem Gebäudecheck Wärmepumpe des Umweltbundesamts. Das Werkzeug rechnet Raum für Raum aus, wie viel Wärme ein Raum an einem kalten Tag braucht und was der Heizkörper mit einer Wärmepumpe liefern kann; laut Umweltbundesamt dauert das 15 bis 45 Minuten.
Heizkörper: meist nicht alle tauschen
Ein ganzes Haus auf Fußbodenheizung umzubauen, ist in der Regel nicht nötig.
- Oft reichen einzelne: Laut Verbraucherzentrale reicht oft schon der Austausch einzelner, zu kleiner Heizkörper, um die Vorlauftemperatur weit genug zu senken.
- Der schwächste Raum bestimmt: Laut dena legt der Heizkörper, der am knappsten ausgelegt ist, die Temperatur für das ganze System fest. Gerade sein Austausch bringt viel im Verhältnis zu den Kosten.
- Größere oder andere Heizkörper: Moderne Flachheizkörper geben bei gleicher Größe mehr Wärme ab, und der Wechsel von Typ 22 auf den dickeren Typ 33 kann laut dena 13 bis 17 % Strom sparen. Daneben gibt es Niedertemperatur- oder Wärmepumpenheizkörper.
- Gut ausgelegte Heizkörper reichen: Im Feldtest des Fraunhofer ISE kamen ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen aus wie Flächenheizungen.
Zum Umbau gehört der hydraulische Abgleich: Danach bekommt jeder Heizkörper so viel heißes Wasser, wie sein Raum braucht. Laut Umweltbundesamt ist er Voraussetzung für niedrige Heiztemperaturen und einen effizienten Betrieb. Ihn macht eine Heizungsfachkraft.
Wie groß die Wärmepumpe sein muss
Die passende Leistung ergibt sich aus der Heizlast des Hauses, nicht aus der Wohnfläche allein. Die Heizlast wird raumweise nach DIN EN 12831 berechnet, und zwar von einer Fachkraft; das Umweltbundesamt rät ausdrücklich von einer einfachen Schätzung ab.
- Nicht zu groß: Laut Verbraucherzentrale ist auch eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe im Betrieb ungünstig. Im Feldtest des Fraunhofer ISE waren die Geräte häufig größer, als der tatsächliche Wärmeverbrauch verlangt hätte, und schalteten dadurch öfter ein und aus.
- Orientierung: co2online nennt für einen nachträglich gedämmten Altbau bis etwa 0,05 kW je Quadratmeter Wohnfläche, für 130 m² also bis rund 6,5 kW, ohne Warmwasser. Die Berechnung ersetzt das nicht.
- Verbrauch der alten Heizung: Ein Verfahren aus dem Beiblatt 2 zur DIN EN 12831 schätzt die Heizlast auch aus dem bisherigen Gas- oder Ölverbrauch; dafür gehören die Verbrauchsdaten auf den Tisch der Fachkraft.
Luft-Wasser-Wärmepumpen im Sortiment gibt es in den Modellklassen 8, 10, 12 und 16 kW.
Was Feldtests zeigen
Das Fraunhofer ISE hat von 2021 bis 2024 in 77 Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen, 83 % davon vor 1995 gebaut, die älteren überwiegend teilsaniert. Die 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten eine Jahresarbeitszahl von im Mittel 3,4, die schwächste 2,6, die beste 4,9 (Presseinformation November 2025). Aus einer Kilowattstunde Strom wurden also im Mittel 3,4 Kilowattstunden Wärme. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forscher nicht. Laut Verbraucherzentrale gilt eine Wärmepumpe ab einer Jahresarbeitszahl von 3 als effizient.
Aufstellung und Lautstärke
Eine Monoblock-Wärmepumpe steht komplett draußen, ins Haus führen vor allem die Wasserleitungen und die elektrischen Anschlüsse. Für den Aufstellort zählt die Lautstärke: Die Geräte im Sortiment nennen laut Datenblatt eine Schallleistung von 60 dB bei 8 kW bis 68 dB bei 16 kW; wie Abstand und Wände den Pegel verändern, steht unter Wärmepumpe Lautstärke: Werte und Aufstellung. Welche Werte für Geräusche an der Grundstücksgrenze und an Nachbarfenstern gelten, sagt Ihnen die zuständige Behörde; bei der Planung des Aufstellorts hilft der Fachbetrieb.
Strom vom eigenen Dach
Eine Wärmepumpe braucht vor allem im Winter Strom, wenn eine Photovoltaikanlage wenig liefert. In der Übergangszeit und für das Warmwasser im Sommer kann eigener Solarstrom aber einen Teil decken. Wie eine Anlage geplant wird, steht unter PV-Anlage. Wer nur einzelne Räume heizen will, kann das auch mit einer Split-Klimaanlage tun; was sie dabei leistet, steht unter Mit der Klimaanlage heizen.