Glas-Glas, bifazial, TOPCon: Welches Solarmodul passt?
Kurz gesagt: Glas-Glas und Glas-Folie beschreiben den Aufbau eines Solarmoduls, bifazial heißt, dass es auch über die Rückseite Strom erzeugt, und TOPCon oder Back Contact sind Zelltechniken. Auf dem Schrägdach zählen vor allem Wirkungsgrad, Temperaturkoeffizient und Garantie; die Rückseite bringt dort wenig. Bifaziale Module bringen dort Mehrertrag, wo Licht von hinten kommt: aufgeständert auf dem Flachdach, am Carport, am Zaun oder am Balkongeländer.
Stand: 03.10.2026
In Produktnamen von Solarmodulen stehen oft drei Angaben hintereinander: Glas-Glas, bifazial, TOPCon. Sie beschreiben verschiedene Dinge. Glas-Glas ist der Aufbau des Moduls, bifazial die Frage, ob auch die Rückseite Licht nutzt, und TOPCon die Technik der Solarzellen. Welche Kombination passt, hängt vor allem davon ab, wo das Modul montiert wird.
Was bedeuten die Begriffe?
| Begriff | Was er beschreibt | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Glas-Glas | Zellen zwischen zwei Glasscheiben | Aufbau mit zwei Glasscheiben, im Sortiment meist längere Leistungsgarantie |
| Glas-Folie | Zellen zwischen Frontglas und Kunststofffolie auf der Rückseite | klassischer Aufbau, Rückseite nimmt kein Licht auf |
| bifazial | Zellen nehmen Licht auch über die Rückseite auf | bringt nur Ertrag, wenn Licht die Rückseite erreicht |
| PERC | ältere Zelltechnik | im Sortiment nur noch bei einzelnen Glas-Folie-Modulen |
| TOPCon | Zelltechnik auf N-Typ-Silizium | heute der Standard der meisten Module im Sortiment |
| Back Contact (ABC) | Zelltechnik mit allen Kontakten auf der Rückseite der Zelle | keine Leiterbahnen vorn, Wirkungsgrad bis 24,0 % |
| Full Black | schwarze Zellen und schwarzer Rahmen | Optik: das Modul wirkt als geschlossene Fläche |
Glas-Glas oder Glas-Folie: Was ist der Unterschied?
Bei einem Glas-Folie-Modul liegen die Zellen zwischen einem Frontglas, meist 3,2 mm dick, und einer Kunststofffolie auf der Rückseite. Bei einem Glas-Glas-Modul ersetzt eine zweite Glasscheibe die Folie; dafür sind beide Scheiben meist dünner, bei den meisten Modulen im Sortiment je 1,6 oder 2,0 mm. Glas lässt weniger Feuchtigkeit durch als Folie und stützt die Zellen von beiden Seiten.
Im Gewicht liegen beide Bauarten nah beieinander: Die Module im gängigen Format von rund 1,76 × 1,13 m wiegen laut Datenblatt 21 bis 25 kg, gleich ob Glas-Glas oder Glas-Folie. Deutlich schwerer sind die rahmenlosen Solitek-Module mit 3,2 mm Glas auf beiden Seiten; das Solid mit 435 W wiegt 32 kg.
Ein Unterschied zeigt sich bei der Leistungsgarantie: Laut Datenblatt ist sie bei den Glas-Glas-Modulen im Sortiment meist länger als bei den Glas-Folie-Dachmodulen. Welche Produkt- und Leistungsgarantie der Hersteller gewährt, steht im Datenblatt des jeweiligen Moduls; es gelten die Garantiebedingungen des Herstellers.
Wann bringt ein bifaziales Modul mehr Ertrag?
Ein bifaziales Modul hat eine durchsichtige Rückseite, und seine Zellen nehmen auch dort Licht auf: Licht, das vom Boden, vom Dach oder von einer Wand zurückgeworfen wird. Wie viel das bringt, hängt davon ab, wie viel Licht tatsächlich hinten ankommt:
- Untergrund: Ein heller Untergrund wirft mehr Licht zurück als ein dunkler, etwa ein heller Kies oder eine weiße Dachbahn mehr als Ziegel oder Bitumen.
- Abstand: Je höher das Modul über dem Untergrund steht, desto mehr Licht erreicht die Rückseite.
- Montage: Aufgeständerte Module auf dem Flachdach, Carports, Pergolen, Zäune und Balkongeländer bekommen Licht von hinten. Auf einem Schrägdach liegt das Modul wenige Zentimeter über den Ziegeln; dort bringt die Rückseite wenig.
Wie gut die Rückseite im Vergleich zur Vorderseite arbeitet, steht im Datenblatt als Bifazialitätsfaktor. Die Nennleistung auf dem Typenschild gilt für die Vorderseite; was die Rückseite dazugibt, ist darin nicht enthalten. Ob ein Modul bifazial ist, steht im Datenblatt; bifaziale Module zeigt die Seite Bifaziale Solarmodule.
Auf dem Schrägdach entscheiden deshalb Wirkungsgrad, Temperaturkoeffizient, Garantie und Optik.
Was unterscheidet PERC, TOPCon und Back Contact?
Alle Module im Sortiment haben monokristalline Zellen. Sie unterscheiden sich in der Technik, mit der die Zelle den Strom einsammelt:
- PERC war über Jahre der Standard. Im Sortiment steckt sie nur noch in einzelnen Glas-Folie-Modulen, etwa dem Solitek Standard mit 415 W und einem Modul von LONGi.
- TOPCon baut auf N-Typ-Silizium auf und hat eine sehr dünne Oxidschicht an der Rückseite der Zelle, die Verluste verringert. Die meisten Module im Sortiment arbeiten damit, von Trina, JA Solar, TCL, Jinko und Solitek.
- Back Contact, bei Aiko ABC genannt, legt alle elektrischen Kontakte auf die Rückseite der Zelle. Vorn liegen keine Leiterbahnen, die Licht abschatten; das Modul wirkt gleichmäßig schwarz. ACTEC führt dazu Aiko-Module der Serien Neostar 2S+ und 3S+; die Verfügbarkeit steht auf der Produktseite.
Was das im Datenblatt ausmacht, zeigen die Module im Sortiment:
| Zelltechnik | Wirkungsgrad | Temperaturkoeffizient Leistung |
|---|---|---|
| PERC (Glas-Folie, LONGi und Solitek) | 20,7 bis 21,25 % | −0,34 bis −0,36 %/°C |
| TOPCon | meist 21,5 bis 23,5 % | meist −0,29 bis −0,30 %/°C |
| Back Contact (Aiko) | 22,6 bis 24,0 % | −0,26 %/°C |
Stand der Angaben: Sortiment von ACTEC, Oktober 2026, ohne die rahmenlosen Agro-Module, die weniger Zellen tragen. Die Werte des einzelnen Moduls stehen auf seiner Produktseite.
Was bedeuten die Werte im Datenblatt?
- Nennleistung (Wp): die Leistung unter Standard-Testbedingungen, also bei 1.000 W Einstrahlung je Quadratmeter und 25 °C Zelltemperatur. Auf dem Dach wird sie selten genau erreicht.
- Wirkungsgrad: welcher Anteil des Sonnenlichts auf der Modulfläche zu Strom wird. Ein höherer Wirkungsgrad bringt mehr Leistung auf dieselbe Fläche; wichtig, wenn das Dach knapp ist.
- Temperaturkoeffizient: wie viel Leistung das Modul je Grad über 25 °C verliert. An einem Sommertag wird eine Zelle auf dem Dach deutlich wärmer. Ein Beispiel: Bei 60 °C Zelltemperatur, also 35 Grad über dem Prüfwert, liefert ein Modul mit −0,29 %/°C rund 10 % weniger als seine Nennleistung, eines mit −0,36 %/°C rund 12,6 % weniger.
- Leistungsgarantie: wie viel Leistung der Hersteller nach einer Zahl von Jahren noch zusagt. Manche Datenblätter nennen dazu die jährliche Degradation, etwa höchstens 0,4 % pro Jahr bei den TCL-Modulen.
- Belastbarkeit: wie viel Schnee- und Windlast das Modul in Pascal aushält. Die TCL-Module sind laut Datenblatt für 5.400 Pa Schnee und 2.400 Pa Wind geprüft, die rahmenlosen Solitek-Module für bis zu 10.500 Pa. In schneereichen Lagen lohnt der Blick auf diesen Wert.
- Maße und Gewicht: zählen für die Unterkonstruktion und die Statik des Dachs.
Welches Modul passt zu welchem Einsatz?
| Einsatzort | Was zählt | Passend |
|---|---|---|
| Schrägdach | Wirkungsgrad, Temperaturkoeffizient, Optik | Glas-Glas mit TOPCon oder Back Contact; Full Black, wenn das Dach einheitlich aussehen soll |
| Flachdach, aufgeständert | Licht von hinten, Belastbarkeit | bifazial, Glas-Glas |
| Carport, Pergola, Zaun | Licht von hinten, Optik von unten | bifazial; rahmenlos, wo das Modul selbst das Dach bildet |
| Balkongeländer | Licht von hinten, Gewicht, Format | bifazial, Format passend zum Geländer |
| Gewächshaus, Agri-PV | Licht soll durchscheinen | rahmenlose Module mit weiten Zellabständen wie das Solitek Solid Agro |
Für das Balkonkraftwerk eignet sich technisch jedes Modul, dessen Spannung und Strom zum Wechselrichter passen; in den fertigen Sets sind die Module schon abgestimmt. Ob dazu ein Speicher sinnvoll ist, steht unter Balkonkraftwerk mit Speicher: Wann ist das sinnvoll?.
Was gehört zur Montage?
Module brauchen eine Unterkonstruktion, die zum Dach und zur Modulgröße passt; rahmenlose Module brauchen eigene Klemmen. Ob das Dach das zusätzliche Gewicht trägt, klärt der Fachbetrieb. Eine Dachanlage wird in die Hausinstallation eingebunden; das übernimmt ein Elektrofachbetrieb. Zur Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister geben der Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur Auskunft.
Alle Module stehen unter Solarmodule. Wie Module, Wechselrichter und Speicher zu einer Anlage zusammenkommen, steht unter PV-Anlage planen; welcher Wechselrichter passt, unter Hybrid-, String- oder Mikrowechselrichter: Welcher passt?.